#nachgefragt

Hier sind die Interviews mit unserem Stiftungsteam: 

  • Dr. Manfred Knof, stellv. Vorsitzender des Stiftungsrats und CEO Commerzbank AG

Was bedeutet es für Sie persönlich, sich im Stiftungsrat zu engagieren?

Mir bedeutet mein Engagement in der Commerzbank-Stiftung persönlich sehr viel. Projekte zu unterstützen, die zu mehr Teilhabe, Inklusion und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft beitragen, ist für mich nicht nur in meiner Rolle als Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, sondern auch aus persönlicher Überzeugung eine große Bereicherung. Wir wollen nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für die Gesellschaft einen Mehrwert schaffen. Mit der Commerzbank-Stiftung leisten wir hier einen wichtigen Beitrag.

Welchen Stellenwert hat die selbständige Unternehmensstiftung im Nachhaltigkeitsspektrum der Commerzbank?

Die Commerzbank-Stiftung ist ein wichtiger Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der Bank. Hier geht es um unsere soziale Verantwortung über unsere Geschäftstätigkeit hinaus. Stichwort: Environment Social Governance. Die Stiftung ist Ausdruck unserer gesellschaftlichen Verantwortung und steht für unser Engagement in eine nachhaltige Gesellschaft.

Was macht die Commerzbank-Stiftung für Sie aus?

Wir brauchen eine zukunftsfähige Gesellschaft. Voraussetzung dafür ist, dass alle Menschen uneingeschränkt und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Genau hier engagiert sich die Commerzbank-Stiftung mit ihren zahlreichen Initiativen und Projekten in den Bereichen Kultur, Soziales und Wissenschaft. Indem sie kulturelle Bildung fördert und eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht, gestaltet sie die Zukunft unserer Gesellschaft entscheidend mit.

  • Prof. Dr. Birgit Mandel, Direktorin Institut für Kulturpolitik und Leitung des Bereichs Kulturmanagement und Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim und Vizepräsidentin der Kulturpolitischen Gesellschaft

Sie sind Professorin für Kulturmanagement & -vermittlung sowie Leitung des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Worauf richten Sie in der Lehre einen besonderen Fokus?

Mir geht es in Lehre und Forschung vor allem um die Frage, wie kulturelle Teilhabe gestärkt werden kann. Sowohl im Sinne einer Teilhabe an gemeinschaftlichen kulturellen Gütern: aktuellen künstlerischen Produktionen und kulturellem Erbe, wie um Teilhabe im Sinne der Mitgestaltung des kulturellen Lebens und dem Einbringen eigener kultureller Perspektiven. Auf der Basis von theoretischen Ansätzen aus den Bereichen Kulturpolitik, Kulturver- mittlung, Kulturelle Bildung und Kulturmanagement sowie empirischen Studien entwickle ich mit Studierenden auch praktische Ansätze der Vermittlung, die ein diverses kulturelles Leben stimulieren und dazu beitragen können, dass sich Menschen über und mit Kunst und Kultur begegnen.

Was macht unseren ZukunftsGut-Preis für kulturelle Vermittlung gesellschaftsrelevant?

ZukunftsGut ist der erste Preis  in Deutschland, der nicht nur gelungene Projekte der Kulturvermittlung, sondern solche Kulturinstitutionen auszeichnet, die Vermittlung strukturell und abteilungsübergreifend verankert haben; Kultureinrichtungen, die Impulse aus der Kulturvermittlung aufgreifen, um ihre Arbeit zu erweitern und zu verändern in Programmen, Formaten, der Kommunikation, dem Personal und der internen Zusammenarbeit.

Wie könnte Kulturvermittlung in den nächsten 10 Jahren aussehen?

Kulturvermittlung könnte zum Motor werden für Transformationsprozesse der klassischen Kultureinrichtungen in Deutschland, damit diese auch in Zukunft relevant und damit erhalten bleiben. Kulturvermittlung wäre im Idealfall dann zu einer Arbeitsweise geworden, die integraler Bestandteil aller Arbeitsbereiche in Kultureinrichtungen ist: In der  künstlerischen Produktion in Dramaturgie, Kuration; der PR, der Gestaltung gastfreundlicher Servicebedingungen und vor allem in der Leitung von Einrichtungen würde immer die Frage im Vordergrund stehen, wie die Zugänglichkeit und Attraktivität für unterschiedliche Gruppen der Gesellschaft erhöht werden kann.

  • Vorständin: Astrid Kießling-Taşkın (Förderbereich Kultur & Vorstandsmitglied Frankfurter Stiftungen)

Sie verfolgen einen sehr offenen und kommunikativen Ansatz. Inwiefern macht das die Stiftung aus?

Wir wollen eine Kultur der Transparenz und Offenheit leben, im Team und mit unseren Förderpartner:innen. Dabei setzen wir sehr stark auf den niedrigschwelligen Austausch, gerade wenn es zum Beispiel um neue Förderthemen oder Projektanträge geht. Hier bieten wir immer an, uns einfach erst einmal telefonisch zu kontaktieren, bevor endlos viel Energie in vielseitige Förderanträge gesteckt wird. Oft zeigt sich, dass im persönlichen Gespräch schon viele Fragen geklärt werden können.

Was haben Sie persönlich als Vorständin in die Stiftung eingebracht?

Mir war es von Beginn an wichtig, die Stiftung voran zu bringen und stark für die Zukunft zu machen. Dazu haben wir in unserem Stiftungsteam intensiv an der Förderstrategie gearbeitet und tun das im Sinne eines lernenden Prozesses bis heute. Gleichzeitig haben wir uns Gedanken darüber gemacht, welche Werte unser Stiftungshandeln bestimmen und diese auch formuliert. Und nicht zuletzt ist die Vernetzung nach außen wichtig. Dafür begeben wir uns täglich auf unser Social Media-Abenteuer, ob auf Twitter, Instagram oder, ganz neu, LinkedIn.  

Wie fördert die Stiftung Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung?

Wir achten bei all unseren Förderprojekten darauf, dass sie eine möglichst nachhaltige Wirkung entfalten. Allerdings gibt es hierfür keine feste Größe oder Definition, sondern es ist immer abhängig von den Ressourcen oder dem Umfeld der geförderten Einrichtungen, genauso wie von den jeweiligen Zielgruppen und der strategischen Einbindung des Projekts. Gerade bei letzterer spielen digitale Ansätze eine immer stärkere Rolle. So ermöglichen wir aktuell diverse Programme und Konzepte zu digitalen Vermittlungsstrategien im Kulturbereich. Zum Beispiel begleiten wir im Frankfurter Städel Museum über drei Jahre die Entwicklung einer Gaming-App, mit der die Besucherinnen die Sammlung ganz neu erkunden können.

  • Christian Hassel, Bereichsvorstand Privat- und Unternehmerkunden Nord, Mitte & Ost Commerzbank AG

„Fördern schafft Zukunft“ – Woran machen Sie das fest?

Kreative, wertvolle und zukunftsträchtige Projekte scheitern zu häufig am finanziellen Rahmen. Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen tolle Ideen haben und viel Leidenschaft und Energie darauf verwenden, Konzepte für eine bessere Zukunft zu entwickeln. Gerade bei kleineren Vereinen, aber auch bei etablierten Einrichtungen, die neue Wege gehen wollen, ist es so, dass die finanziellen Mittel fehlen, um diese Ideen auch Wirklichkeit werden zu lassen. Wir sind uns dieser Situation bewusst und fördern genau deshalb genau diese Projekte, die für unsere Gesellschaft zukunftsweisend sein können. Damit zeigen wir: „Fördern schafft Zukunft!“  

An welchen Punkten macht sich der aktuelle gesellschaftliche Wandel in Ihrem Leben besonders bemerkbar?

In den letzten beiden Jahren waren wir alle gezwungen, uns und unsere Arbeits- und Lebensgewohnheiten in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit zu verändern. Dieser Wandel macht sich in allen Lebensbereichen bemerkbar: im Homeoffice, in der Wahl der Kommunikationsformate, in unserem geänderten Einkaufsverhalten und ja, auch in der Wahl der Verkehrsmittel, z.B. durch Sharing-Modelle, die mittlerweile in allen Bereichen des Alltags zu finden sind. Auf den Punkt gebracht, zeigt sich der Wandel in Digitalisierung, Dekarbonisierung, Nachhaltigkeit und im Leben jenseits der großen Ballungszentren.

Welches ist Ihr von der Stiftung gefördertes Lieblingsprojekt?

Die Stiftung fördert unglaublich viele großartige Projekte. Mein absolutes 'Lieblingsprojekt' ist jedoch die Juniorprofessur an der Humboldt-Universität mit dem Schwerpunkt „Digitales Wissensmanagement in Studium und Lehre an der Hochschule“. In diesem Projekt werden die Potenziale, Chancen und Risiken für die Bildung erforscht, die wir mit einer zunehmenden Digitalisierung erschließen können.

Stiftungsratsmitglied Christian Hassel
  • Vorständin: Kirsten Böddeker (Förderbereich Soziales & Wissenschaft)

Was bereitet Ihnen an der Stiftungsarbeit am meisten Freude?

Für eine Stiftung zu arbeiten bedeutet eine maximale Vielfalt an Aufgaben: Projektmanagement, Kommunikation, Finanzen, Events begleiten, konzeptionell und beratend wirken. Es ist so, als würde man ein eigenes Unternehmen leiten. Und das alles im Sinne einer guten und nachhaltigen Sache. Besser geht es eigentlich nicht, oder?

Sie betreuen zurzeit ein Förderprojekt für den Pflegeroboter ROSWITHA von der Frankfurt University of Applied Sciences. Was begeistert Sie an diesem Projekt?

Bei dem Projekt handelt es sich um eine Kooperation der Fachbereiche Soziale Arbeit bzw. Informatik der UAS, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, einen Roboter äußerlich so zu gestalten, dass zu Pflegende ihn als sympathischen und kompetenten Alltagshelfer akzeptieren, ohne ihn jedoch für ein menschliches Wesen zu halten. An dem Projekt begeistert mich vor allem der interdisziplinäre Ansatz – MINT meets Sozialwissenschaften - um mögliche Lösungen für das brennend relevanten Thema „Pflege“ zu finden. Am Ende dient so die Wissenschaft den Menschen und ist nicht Forschung um ihrer selbst willen.

Was bedeutet für Sie ‚soziales Engagement‘?

Sozial engagiert ist aus meiner Sicht jeder, der etwas für andere bzw. die Gemeinschaft tut, ohne sich zu fragen, was für ihn selbst dabei rausspringt. Ob jemand seiner gehbehinderten Nachbarin beim Einkaufen hilft, ehrenamtlich einen Fußballverein trainiert oder sich für die Integration Geflüchteter am ersten Arbeitsmarkt einsetzt: all das ist soziales Engagement und das, was eine Gesellschaft zusammenhält.

Kirsten Böddeker, Vorständin
  • Doris Schwerdtfeger, ehemalige leitende Mitarbeiterin der Commerzbank AG

Sie begleiten die Stiftung schon viele Jahre lang. Wie hat sich die Commerzbank-Stiftung über die Zeit hinweg verändert?

In den mehr als zehn Jahren, die ich die Stiftung begleite, hat sie deutlich an Bekanntheit gewonnen und ihr Profil geschärft. Früher wurden in erster Linie Institutionen aus Wissenschaft, Kultur und dem sozialen Bereich mit allgemeinen Zuwendungen bedacht, heute werden zukunftsweisende, zur Förderstrategie passende Projekte unterstützt. Der Dialog mit den Förderpartner:innen wird über die Laufzeit der Projekte intensiv gepflegt. Auffällig ist die Veränderung auch im kommunikativen Bereich, heute wird aktiv auf vielen Kanälen mit den unterschiedlichsten Zielgruppen kommuniziert. Ich freue mich sehr über diese Entwicklung!

Wir befinden uns gerade in einem gesellschaftlichen Wandel, das zeigt auch die aktuelle Bundestagswahl. Wie erleben Sie das, braucht es in Deutschland mehr innovative Veränderungen?

Eindeutig: Ja! Gerade die Krisen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass in Deutschland viel zu tun ist, sei es bei der Bildung, der Digitalisierung oder dem Umweltschutz. Wir haben Nachholbedarf!

Was sollte dafür getan werden, um mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt zu generieren?

Die Menschen aus den unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft müssen mehr voneinander erfahren und mehr miteinander kommunizieren. Dadurch entsteht Verständnis für die Situation der anderen, Vorurteile werden abgebaut. Und ganz grundsätzlich: Wir brauchen mehr Chancengleichheit in unserem Land. Hier ist noch viel zu tun.

Engagieren Sie sich privat im sozialen Bereich?

Ja, ich bin im Kirchenvorstand meiner Gemeinde tätig. Wir betreiben ein Restaurant für bedürftige Menschen, das seit 30 Jahren eine wichtige Begegnungsstätte im Viertel ist.

Doris Schwerdtfeger, ehem. leitende Mitarbeiterin Commerzbank AG
  • Natalya Nepomnyashcha, Gründerin & Geschäftsführerin von Netzwerk Chancen, Berlin

Wie erreichen wir mehr Chancengleichheit in Deutschland?

Wir brauchen ein Bildungssystem, das Kinder von den ersten Lebensjahren an fördert und ihnen aufzeigt, wo ihre Stärken und Talente liegen. Wichtig ist auch, Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft zu helfen, diese Stärken und Talente zu entwickeln. Dafür brauchen wir wesentlich mehr interdisziplinäres Personal in Kitas und Schulen. Individuelle Förderung ist das A und O. Solange wir noch an diesem System arbeiten, müssen wir zivilgesellschaftliche Initiativen stärken, die genau hier ansetzen.

Was muss getan werden, um soziale Teilhabe zu ermöglichen?

Nicht alle Menschen in Deutschland haben gleiche Chancen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Manchen fehlen Finanzen, anderen Kontakte oder Informationen. Um ihnen Teilhabe zu ermöglichen, müssen sie genau das erhalten: finanzielle Mittel, ein Netzwerk und genügend Informationen.

Was hat Sie dazu bewogen, unserem Stiftungsrat beizutreten?

Ich komme selbst aus einem Hartz IV-Haushalt, musste sehr hart für meinen sozialen Aufstieg kämpfen und habe 2016 Netzwerk Chancen gegründet, um für Chancengleichheit in Deutschland zu kämpfen. Es ist großartig, dass die Stiftung verschiedenste Projekte aus dem sozialen Bereich fördert, die Chancen für unterprivilegierte Menschen bieten. Ich freue mich sehr darauf, als Mitglied des Stiftungsrats zum Erfolg dieser Projekte beitragen zu können.

Natalya Nepomnyashcha
  • Professor Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Präsident Humboldt-Universität zu Berlin a. D.

Vor kurzem wurde der Leopoldina Early Career Award an Dr. Patrick Weigelt verliehen. Das Motto in diesem Jahr: Thema Mensch und Biodiversität. Wie haben Sie unseren Preisträger erlebt?

Als jungen, unkonventionellen, vielfältig interessierten jungen Wissenschaftler, in den sein Fach, die Biodiversitätsforschung, große Hoffnungen setzen kann.

Warum ist wissenschaftliche Nachwuchsförderung wichtig und wie sollte diese aussehen?

Weil die Alternative über kurz oder lang Stillstand bedeuten würde. Die Wissenschaft braucht immer neue Perspektiven, Infragestellungen des Hergebrachten und frische Ideen. Das Wort „Nachwuchsförderung“ klingt etwas paternalistisch. Gemeint ist aber, dass junge Kolleginnen und Kollegen ein Milieu vorfinden, in dem Ihnen Vertrauen entgegengebracht wird und wo sie Freiräume finden, sich ungehindert zu entfalten. Dazu gehört auch, ihren Lehrern widersprechen zu dürfen und andere Wege einzuschlagen. Ein akademischer Lehrer bzw. eine Lehrerin sollte dann zufrieden sein, wenn seine bzw. ihre Schülerinnen und Schüler über ihn bzw. sie hinauswachsen.

Welches Forschungsgebiet finden sie im Hinblick auf die Zukunft gerade für junge Forscher:innen spannend?

Da kann ich schwer eine Hierarchie aufmachen. Wissenschaft ist immer an der Zukunft interessiert. In den Naturwissenschaften dürften es Medizin und Biologie sein (denken wir an ihre Rolle in der Pandemie), aber auch der Umweltschutz und die Klimaentwicklung, in den Technikwissenschaften vor allem die Energiefrage, was wiederum ohne Physik nicht geht, und in den Geistes- bzw. Sozialwissenschaften der gesellschaftliche Zusammenhalt, also die sozialen Bindungskräfte von Kultur und Bildung.

Prof. Jan-Hendrik Olbertz